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[K]-Letter Nr. 02 (Dezember 2004)

Submitted by on Dezember 1, 2004 – 8:57 am2 Comments

Inhalte

1. Einleitung
2. Ergebnisse der Online-Umfrage: Träume und Kreativität
3. Online-Experiment: Üben im Klartraum
4. Versuchsteilnehmer/-innen für Schlaflaborstudien gesucht!
5. Impressum


1. Einleitung

Liebe Leserinnen und Leser!

Herzlich Willkommen zum Newsletter der Internetseite klartraum.de. In diesem Newsletter wollen wir noch einmal für das „Online-Experiment: üben im Klartraum“ werben und darauf hinweisen, dass unter allen Teilnehmer/innen ein Exemplar von Stephen LaBerges Buch „Exploring the World of Lucid Dreaming“ verlost wird. Für die Teilnahme am Münzwurfexperiment spielt es keine Rolle, ob sie „nüchtlich“, gelegentlich oder noch nie klargetrümt haben – was zählt ist, dass Sie Freude an dem Experiment haben und Ihre Resultate in das Internetformular übertragen und an uns zurücksenden.

Außerdem können Sie über weitere Ergebnisse der Online-Umfrage zum luziden Träumen lesen. Die Auswertung bezieht sich dabei nicht direkt auf luzide Träume sondern auf kreative Träume. Obwohl Beispiele für kreative Träume häufig berichtet und publiziert werden, liegen erstaunlich wenige Studien vor, ob und wie Träume die Kreativität bei „normalen“ Menschen beeinflusst.

Der Newsletter wird an ungefähr 800 Interessierte versendet und informiert vorrangig über die Online-Experimente, darüber hinaus bietet die Internetseite http://localhost generelle Informationen zum Thema Klartraum, wissenschaftliche Studienergebnisse und ein Diskussionsforum.

Wir wünschen Ihnen viel Spaß mit dieser Ausgabe des Klartraum.de-Newsletters!

Ihr Daniel Erlacher

2. Ergebnisse der Online-Umfrage: Träume und Kreativität

von Michael Schredl und Daniel Erlacher (Original erschien in: ZI Information aktuell, 2004, Jahrgang 27)

Es gibt viele Beispiele, die zeigen wie Träume kreativ schaffende Menschen inspiriert haben. Bekannt sind z. B. die surrealistischen Bilder von Salvador Dali. Filmemacher wie Ingmar Bergmann („Wilde Erdbeeren“), Carlos Saura oder Federico Fellini haben direkt ihre eigenen Traumbilder in Filmsequenzen umgesetzt. Ein Beispiel aus dem Bereich Literatur ist die Geschichte von Dr. Jekyll and Mr. Hyde mit der Verwandlung des einen in den anderen, ein Element von dem der Schriftsteller, Robert Louis Stevenson, vorher geträumt hatte. Paul McCartney hat die Melodie des Hits „Yesterday“ im Traum gehört und konnte es zunächst gar nicht glauben, dass es ein bis dahin unbekanntes Lied war. Neben den kreativen Träumen der Künstler sind auch in der Wissenschaft einige Fülle bekannt geworden, in denen Träume zur Lösung von schwierigen Problemen beigetragen haben. Ausgerechnet das bekannteste Beispiel von Auguste von Kerkule, der die Struktur des Benzolrings aufgrund eines Traumes von einer Schlange, die sich in den Schwanz beißt, entdeckt hat, ist auch mit Zweifeln behaftet, da Kerkule den Traum erst Jahre nach der Entdeckung berichtet hat. Andere Traumlösungen bezogen sich auf die Struktur des Periodensystems (Dimitri Mendeleyev), die Erfindung der Nähmaschine (Elias Howe) und Dechiffrierung babylonischer Hieroglyphen (Herman V. Hilprecht). Eine dritte Kategorie bezieht sich auf Träume, die durch ihren Inhalt dem Träumer/der Träumerin einen Anstoß geben, im Wachleben umzudenken und ihr Verhalten zu ändern. Ein sehr eindrückliches Beispiel berichtete William C. Dement, einer der Pioniere der modernen Schlaf- und Traumforschung. Zum Zeitpunkt des Traumes war er starker Raucher und träumte davon, dass er zum Arzt geht, geröntgt wird und die Diagnose eines Lungenkrebses gestellt bekommt. Er wird sehr traurig bei der Vorstellung, seine Kinder nicht heranwachsen zu sehen. Der sehr intensive Traum veranlasste den Forscher sofort mit dem Rauchen aufzuhören und er kann heute, im Alter von über 70 Jahren, auf eine beeindruckende Forschungs- und Lehrtätigkeit zurückblicken.

Obwohl solche Beispiele für kreative Träume häufig berichtet und publiziert werden, liegen erstaunlich wenige Studien vor, ob und wie Träume die Kreativität bei „normalen“ Menschen beeinflusst. Zwei Studien zu diesem Thema sollen im Folgenden im Überblick dargestellt werden.

Datengrundlage

Im Rahmen einer Studie mit dem Titel „Schlaf, Traum und Persönlichkeit“ füllten 444 VersuchsteilnehmerInnen (376 Frauen, 68 Männer; großteils Studierende der Fachrichtung Psychologie) mehrere Fragebogen auf, unter anderem wurde nach der Häufigkeit der Traumerinnerung gefragt und nach der Häufigkeit von kreativen Träumen. Zusätzlich wurden auch Persönlichkeitsaspekt, die Einstellung zu kreativen Tätigkeiten und das Ausüben von kreativen Tätigkeiten in der Freizeit (Malen, Musizieren/Komponieren, Handarbeit mit Entwerfen eigener Muster) erfasst.

Die zweite Studie wurde im Internet auf der Seite „www.klartraum.de“ von Daniel Erlacher durchgeführt. Neben den Fragen zur Traumerinnerung und der Anzahl der kreativen Träume wurden die TeilnehmerInnen gebeten, ein Bespiel für einen kreativen Traum, den sie erlebt haben, zu schildern.

Ergebnisse

Im Durchschnitt erinnerten sich die TeilnehmerInnen an etwa 3 Morgen pro Woche (3.11 – 2.42) an ihre Träume. Es trat ein deutlicher Geschlechtsunterschied auf, der schon in vielen anderen Studien gezeigt wurde: Frauen erinnerten sich häufiger an ihre Träume. Die Anzahl der kreativen Träume lag bei etwa einem Traum pro Monat (1.05 – 2.47), d.h., ca. 7.8 % aller Träume wiesen ein kreatives Element auf. Hier war die Häufigkeit bei Männern und Frauen gleich. Unterschiede zwischen den beiden Studien (Fragebogenstudie und Online-Befragung) waren nicht nachzuweisen. Die berichteten Beispiele wurden in vier Gruppen zusammengefasst und sind im nächsten Abschnitt dargestellt. Die statistische Analyse (multiple Regression; Fragebogenstudie) zeigte, dass folgende Faktoren das Auftreten von kreativen Träumen am stärksten beeinflusst: die Traumerinnerungshäufigkeit, die Persönlichkeitsdimension „Dünne Grenze“, die positive Einstellung zu kreativen Aktivitäten und die visuelle Vorstellungskraft. Der Zusammenhang zur Traumerinnerung ist leicht nachvollziehbar, je mehr Träume erinnert werden, desto größer ist die Chance, dass auch ein kreativer Traum dabei ist. Die Persönlichkeitsdimension „Dünne Grenzen“ beschreibt sehr sensible, stressanfällige (häufigere Alpträume) und kreative Menschen, so dass es plausibel, dass solche Menschen häufiger Inspirationen durch ihre Träume bekommen. Dieser Befund wird ergänzt durch die Einstellung zur Kreativität und der besseren visuellen Vorstellungskraft.

Tabelle 1. Berichte von kreativen Träumen. Insgesamt wurden in der Online-Befragung 272 verwertbare Beispiele zu kreativen Träumen angegeben

Themen Anzahl
Kreativität
Malen
Schreiben
Musik
Anderes (Homepage, Rezept, Geschenk)
30
25
5
24
Problemlösung
Arbeit/Referat/Vortrag
Computer
Mathematik
Motorische Fertigkeiten
49
11
11
4
Traum als Anstoß
Kontaktaufnahme, Beziehungen, Reisen etc
73
Emotionale Erkenntnis durch Träume 40
Beispiel 1 – Malen
„Im Traum sah ich eine Meerjungfrau, die s ich dann in einen Schmetterling verwandelt hat. Das habe ich als Basis für ein Pastellbild genutzt.“
Beispiel 2 – Schreiben
„Ich träme oft, ich kann fliegen. Das hat mich auf die Idee gebracht, ein Buch zu schreiben, indem ein Mensch wirklich fliegen kann. Er fliegt, um seine Geliebte zu suchen, und versetzt die Menschen in Angst und Schrecken.“
Beispiel 3 – Kreativität Sonstiges
„Ich habe einmal kurz vor dem Geburtstag meiner Mutter davon geträumt, was man ihr schenken könnte. In dem Traum habe ich ganz genau ihre Reaktion auf das Geschenk gesehen und habe es dann auch gekauft und sie hat sich tatsächlich so gefreut, wie ich es mir im Traum vorstellt habe.“
Beispiel 4 – Problemlösen
„Mein PC war kaputt und ich träumte davon, wie ich ihn am besten reparieren könnte. Ich wachte am nächsten Morgen auf und es war klar, wie ich ihn wieder zum laufen kriegen konnte.“
Beispiel 5 – Problemlösen
„Im Traum wurde mir ein Fehler in einer Berechnungsformel meiner Diplomarbeit bewusst, den ich anschließend entsprechend der neuen Berechnungsformel im Traum beheben konnte.“
Beispiel 6 – Anstoß durch den Traum
„Ich träume von einem Mädchen an meiner Schule, das ich attraktiv finde, und bekomme dadurch Motivation und Ansporn, sie anzusprechen.“
Beispiel 7 – Anstoß durch den Traum
„Ich habe geträumt, dass ich auf einer Theaterbühne stehe. Nur ich war auf der Bühne, ohne Publikum. Ich sang und hörte Beifall, ohne Zuschauer zu sehen. Daher beschloss ich, Gesangsunterricht zu nehmen.“
Beispiel 8 – Emotionale Erkenntnis
„Ich saß in einem Zugabteil, hatte eine Handtasche auf dem Schoß, die sich unabsichtlich öffnete und alles fiel heraus. Ein Mann wollte mir helfen, es wieder hineinzutun. Doch es waren so viele Utensilien, dass alles oben wieder heraus quoll. Danach habe ich beschlossen, bei mir wieder einmal zu schauen, von welchen Dingen/Gedanken ich mich trennen sollte. Also Leben vereinfachen.“

Diskussion und Ausblick

Die Ergebnisse der beiden Studien zeigen sehr deutlich, dass Träume auch bei „normalen“ Menschen kreative Anstöße geben können, sei es bei einem künstlerischen Hobby, bei Problemen bei der Arbeit oder als Anstoß für das Verhalten im Alltag. Diese Forschung ergänzt die Studien, die zeigen, dass sich das Wachleben im Traum widerspiegelt. So bilden Träume und Wachleben eine Einheit oder Kontinuität. Gerade in kreativen Berufen oder zum Beispiel auch bei komplexen motorischen Fertigkeiten könnte ein gezieltes Trainieren im Traum sich nützlich auf das weitere Wachleben auswirken.

3. Online-Experiment: Üben im Klartraum

„Üben im Klartraum. Das Münzwerfen, die Trefferleistung und sonstige Probleme“ ist der Titel des laufenden Online-Experiments. In dieser Studie geht es um folgende Fragen: Wenn man im Klartraum eine bestimmte Tätigkeit übt, verbessert sich die Leistung dann auch im Wachen? Oder ist der Klartraum ungeeignet bestimmte Abläufe zu trainieren?

Um eine Antwort auf diese Fragen zu finden, stellen wir allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern eine denkbar einfache Aufgabe: Versuchen Sie, eine Münze in einen Kaffeebecher zu werfen! Es gilt also, eine Zielwurfaufgabe im Klartraum zu üben. Lesen Sie einen Klartraumbericht in dem die Träumerin erfolgreich das Münzwerfen üben konnte: „… Da kommt mir der Gedanke `Zielen, da war doch irgendwas!`. Dadurch werde ich klar… Jetzt will ich das Werfen aber noch mit Münzen üben. Zum Glück liegen sowieso sehr viele Münzen in der Gegend herum und meine Schwester bringt mir ein Gefäß zum Reinschmeissen. Nach dem ich eine Weile geworfen habe, wache ich auf.“

Es haben bereits 20 Klartrauminteressierte an dem Experiment teilgenommen. Darunter waren jedoch erst vier Klarträumer/innen, die im Traum das Münzwerfen erfolgreich übten. Um aussagekräftige Ergebnisse zu erhalten, brauchen wir jedoch noch dringend weitere Klarträumer/innen, die sich an dem Münzwerfexperiment versuchen! Als kleiner Anreiz wird unter allen Teilnehmer/innen ein Exemplar von Stephen Laberges Buch „Exploring the world of lucid dreaming“ verlost.

  • Das Online-Experiment ist abgelaufen!

Abbildung 1. Münzwerfen. (Erlacher)

4. Versuchsteilnehmer/-innen für Schlaflaborstudien gesucht!

Für verschiedene Studien an der Universität Heidelberg suchen wir Klarträumerinnen und Klarträumer, die Interesse haben, an Untersuchungen im Schlaflabor teilzunehmen. Die Studien werden in einem Schlaflabor in Mannheim durchgeführt, deshalb sollten interessierte Personen möglichst im Rhein-Neckar Gebiet wohnen. Außerdem sollten Sie eine gute Traumerinnerung haben und fähig sein, möglichst gezielt Klarträume zu erleben. Falls Sie Interesse haben, dann schreiben Sie bitte eine E-Mail an: info@klartraum.de.

5, Impressum

Sie erhalten diesen Newsletter, weil Sie den Newsletter auf klartraum.de abonniert oder an einem „Online-Experiment: Klartraum“ teilgenommen haben. Falls Sie den klartraum.de-Newsletter abbestellen möchten, dann folgen Sie den Anweisungen im Newsletter.

Herausgeber: Daniel Erlacher
Postanschrift: Im Neuenheimer Feld 700, 69120 Heidelberg
E-Mail: info@klartraum.de
Homepage URL: http://localhost

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