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[K]-Letter Nr. 03 (Januar 2005)

Submitted by on Januar 1, 2005 – 8:57 amNo Comment

Inhalte

1. Einleitung
2. Ergebnisse des Online-Experiments: üben im Klartraum
3. Das neue Online-Experiment: Erinnerung im Klartraum
4. Versuchsteilnehmer/-innen für Schlaflaborstudien gesucht!
5. Impressum


1. Einleitung

Liebe Leserinnen und Leser!

Herzlich Willkommen zum dritten Newsletter der Internetseite Klartraum.de. Auch im neuen Jahr wird das „Online-Experiment: Klartraum“ (OE:K) im Mittelpunkt des Newsletters stehen. Das letzte Online-Experiment (üben im Klartraum) wurde im Januar abgeschlossen. Insgesamt haben 18 Interessierte daran teilgenommen und 33 Protokollbögen per Internet zurückgesandt. In diesem Newsletter werden wir über die Ergebnisse berichten und die Frage beantworten, ob sich das üben des Münzwurfs im Klartraum auf die Trefferleistung im Wachleben auswirkt. An dieser Stelle schon einmal unser Dank an alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer.

In dem neuen OE:K wollen wir uns mit den folgenden Fragen auseinandersetzen: Wie gut ist die Erinnerung an das Wachleben in einem Klartraum? Wenn man sich bestimmte Wörter vor dem Schlafengehen merkt, kann man sich an diese Wörter im Klartraum erinnern? Es geht also um die Erinnerung im Klartraum. Lesen Sie mehr über das neue OE:K in diesem Newsletter. Unter allen Teilnehmenden wird ein Exemplar von Stephen LaBerges Buch „Exploring the World of Lucid Dreaming“ verlost.

Der Newsletter wird an knapp 900 Interessierte versendet und informiert vorrangig über die Online-Experimente, darüber hinaus bietet die Internetseite http://localhost generelle Informationen zum Thema Klartraum, wissenschaftliche Studienergebnisse und ein Diskussionsforum.

Wir wünschen Ihnen viel Spaß mit dieser Ausgabe des Klartraum.de-Newsletters!

Ihr Daniel Erlacher

1. Einleitung

2. Ergebnisse des Online-Experiments: üben im Klartraum

von Daniel Erlacher und Michael Schredl

Die Idee ist verlockend: Man legt sich ins Bett, schläft, träumt und wacht am nächsten Morgen auf und kann plötzlich z.B. schneller laufen, eleganter tanzen oder besser Ski fahren. Ist das Trainieren im Schlaf nur ein Traum? Einige Studien lassen erkennen, dass die Erfüllung dieses Traums kein Wunschdenken bleiben muss. Erlacher, Schredl und LaBerge (2003) konnten beispielsweise in einer Pilotstudie über Bewegungen im Klartraum zeigen, dass im Gehirn dieselben motorischen Regionen aktiv sind, die bei Bewegungen im Wachen aktiv sind. Betrachtet man also nur die neuronale Aktivität im Gehirn macht es demnach keinen Unterschied, ob man sich im Traum oder im Wachen bewegt, außer, dass die Bewegungen im Klartraum nicht mit dem physischen Körper ausgeführt werden. Weiterhin zeigen Resultate aus der Bewegungswissenschaft, dass Verbesserungen beim Bewegungslernen vor allem auf neuronale Veränderungen im Gehirn beruhen und nicht auf Veränderungen der Körpermuskulatur (vgl. Heuer, 1984). Wenn also zum einen die neuronalen Aktivitäten im Gehirn für das Bewegungslernen wichtig sind und zum anderen diese neuronalen Aktivitäten während Bewegungen im Klartraum auftreten, dann ist es durchaus plausibel, dass ein Training im Klartraum zu Verbesserungen im Wachen führen kann.

Anekdotische Hinweise liegen für diese Annahme schon lange vor. Prof. Paul Tholey berichtet beispielsweise in der GEO (Heft 2, S. 16, 1984): „Nicht jede einzelne Bewegung übe ich im Traum. Da trainiere ich vor allem mein Körpergefühl und mein Körperempfinden für den Raum. Ich fliege zum Beispiel Salti und spure dabei in jeder Faser, wo ich gerade bin.“ Mit dem Klartraumtraining hat Tholey beispielsweise sein Skateboard- und Snowboardfahren verbessert. In einer Studie zeigt Tholey (1981), dass es Klarträumern möglich ist, verschiedene sportliche Aktivitäten in ihren Träumen durchzuführen. Komplexe Bewegungen, wie das Skilaufen oder Turnen, die auch schon im Wachzustand sicher beherrscht wurden, führten die Teilnehmer im Klartraum meist ohne Schwierigkeiten durch. Darüber hinaus berichteten sämtliche Klarträumer über deutliche übungseffekte bei ihren Bewegungshandlungen im Traum sowie über positive Auswirkungen im Hinblick auf ihr sportliches Können im Wachen.

Andererseits wissen wir aus einigen Untersuchungen, Umfragen und aus eigener Erfahrung: gezieltes Ausführen einer Handlung im Klartraum ist nicht immer einfach. In einer aktuellen Studie sollte ein geübter Klarträumer im Klartraum das Spiegelschreiben üben. Es gelang ihm in drei Traumphasen insgesamt 15 Minuten klarzuträumen, jedoch verbrachte er nahezu 90% der Zeit damit, die benötigten Gegenstände für die Aufgabe (Spiegel, Abdeckung, Papier, etc.) zu suchen bzw. herzustellen. Zudem wurde er von weiteren störenden Gegebenheiten unterbrochen. Scheitert das Klartraumtraining daran, dass der Traum nicht geeignet ist, ungestört und konzentriert eine bestimmte Aufgabe zu üben.

In diesem Online-Experiment wollten wir demnach folgende Fragen überprüfen: (1) Gelingt es Klarträumern eine Zielwurfaufgabe (das Münzwerfen) im Klartraum auszuführen? (2) Wie lange können Klarträumer diese übung trainieren? (3) Welche Probleme haben Klarträumer mit der gestellten Aufgabe? (4) Wenn das üben der Münzwerfaufgabe im Klartraum geklappt hat, verbessert sich dann auch die Trefferleistung im Wachleben?

Methoden

Das Online-Experiment „üben im Klartraum“ war vom 8. Oktober bis zum 13. Januar 2005 unter der Internetadresse http://localhost abrufbar. Für das Online-Experiment wurde mit zwei Newsletter geworben (26.10.2004: 846 Empfänger; 11.12.2004: 802 Empfänger). Auf der Internetseite konnten Interessierte die Unterlagen für das Experiment herunterladen. Die Unterlagen umfassten eine Einführung in das Thema, Anweisungen und ein Protokollbogen. Für die Teilnahme an dem Online-Experiment sollten die Teilnehmenden folgende Punkte beachten:

  1. Versuchen Sie, das Münzwurfexperiment in einer Nacht durchzuführen, in der Sie zuversichtlich sind, einen Klartraum zu erleben.
  2. Am Abend gegen 21:00 Uhr machen Sie 4 mal 5 Münzwürfe im Wachen und notieren Sie Ihre Treffer im Protokollbogen.
  3. In der Nacht üben Sie im Klartraum so lange wie möglich den Münzwurf. Notieren Sie jeden Klartraum und jeden normalen Traum auf dem Protokollbogen.
  4. Am Morgen gegen 9:00 Uhr machen Sie 4 mal 5 Münzwürfe im Wachen und notieren Sie Ihre Treffer im Protokollbogen.
  5. Wenn Sie in der Nacht keinen Klartraum oder Traum hatten, führen Sie dennoch die Münzwürfe am Morgen durch und notieren Sie die Treffer im Protokollbogen.
  6. Sie können auch andere Zeiten für die Münzwürfe im Wachen wählen, achten Sie jedoch
    darauf, dass zwischen den beiden Tests am Abend und am Morgen ca. zwölf Stunden liegen.
  7. Notieren Sie auf dem Protokollbogen Erfolge und Probleme, die Sie mit dem Münzwerfen im Klartraum gemacht haben (z.B. zehn Minuten Werfen geübt, die Aufgabe vergessen, etc.).
  8. Sie können das Münzwurfexperiment mehrmals durchführen. Senden Sie Ihre Daten nach jeder Teilnahme und notieren Sie im Internetformular wie häufig Sie teilgenommen haben.

Der Aufbau der Münzwurfaufgabe war detailliert in den Unterlagen beschrieben und sollte von den Teilnehmenden zuhause aufgebaut werden. Man benötigen für die Aufgabe eine Kaffeetasse (Durchmesser 8 cm) und fünf 10-Cent-Münzen. In die Tasse sollte ein Papiertaschentuch gelegt werden, damit die Münzen beim Zielwerfen nicht herausspringen. Die Tasse war auf den Boden zu stellen und eine Abwurfstelle in ca. zwei Meter Entfernung war zu markieren. Von der Abwurfstelle sollten nacheinander die fünf 10-Cent-Münzen in die Kaffeetasse geworfen und die Treffer im Protokollbogen notiert werden. Insgesamt wurden am Abend und am Morgen je 20 Münzwürfe durchgeführt. Während der Nacht war es die Aufgabe der Klarträumenden so lange als möglich die Münzwürfe im Traum zu üben.

An dem Online-Experiment haben insgesamt 18 Interessierte (8 weiblich und 10 männlich) im Alter von 31 Jahren (± 10) teilgenommen. Im Schnitt gaben die Teilnehmer an, dass Sie sich an 5 Träume pro Woche (± 2,1) erinnern. Die Klartraumhäufigkeit wurde mit 4 Klarträume pro Monat (± 6,6) angegeben. Für das Münzwurf-Experiment wurden ausdrücklich Klartraumanfänger bzw. Nicht-Klarträumer aufgefordert teilzunehmen. 11 der 18 Teilnehmenden waren häufige Klarträumer Häufigkeit (mehr als einen Klartraum pro Monat) nach der Terminologie von Snyder und Gackenbach (1988) und 4 hatten noch nie Klarträume erlebt.

Insgesamt wurden von den 18 Teilnehmer/innen 33 Protokollbögen per Internetformular zurückgesendet. Je zwei Teilnehmer sendeten 3 bzw. 4 und fünf Teilnehmer sendeten 2 Protokollbögen zurück, die restlichen neuen Teilnehmer sendeten jeweils einen Protokollbogen zurück.

Ergebnisse

Gelingt es Klarträumern eine Zielwurfaufgabe (das Münzwerfen) im Klartraum
auszuführen?

Je nachdem, ob die Teilnehmer einen Klartraum oder normalen Traum berichteten und im Traum das Münzwerfen übten bzw. nicht übten, ergeben sich vier mögliche Kategorien (siehe Tabelle 1).

Tabelle 1. Überblick der vier möglichen Kategorien und Anzahl der Träume.

Kategorien Anzahl
normaler Traum ohne Münzwerfen 21
normaler Traum mit üben von Münzwerfen 4
Klartraum ohne Münzwerfen 2
Klartraum mit mit üben von Münzwerfen 6
Gesamt 33

Tabelle 1 zeigt, dass in sechs von acht berichteten Klarträumen die Teilnehmer die Münzwurfaufgabe durchführen konnten. Für jede Kategorie wird im Folgenden beispielhaft ein Traumbericht wiedergegeben:

Beispiel 1 – normaler Traum ohne Münzwerfen

„In einem Traum bin ich ein Kaninchen im Altersheim, mir ist langweilig, deshalb breche ich zusammen mit einem Hasen aus. Wir hoppeln/laufen einen Hang hinunter und der Hase erzählt mir das Alice nicht mehr da ist, das macht mich ziemlich traurig. Wir rollen Cocktailtomaten den Hang runter, weil ich noch weiß, dass ich für irgendwas unbedingt 5 Kugeln oder so was in der Art brauche.“

Beispiel 2 – normaler Traum mit üben von Münzwerfen

„Bin in einer Großstadt und sehe ein paar Hütchenspieler an der Straßenecke. Gehe neugierig näher heran: Sie spielen Münzwerfen. Es sieht aus, wie eine Kinderhopse mit Kreide auf die Straße gemalt. In jedem Feld steht eine Tasse, die aussieht wie meine braune. Deshalb mache ich dann doch mit, obwohl ich weiß, dass ich die Spielregeln gar nicht kenne. Wir werfen alle, jeder 6 Münzen (wirklich 6, keine 5) ich auch, das Geld liegt teils in den Tassen, teils in den Feldern. Nur einen Treffer hatte ich. Da kommt der bucklige Croupier und räumt ab. Das hätte ich nicht gedacht, dass das so geht, da kann ich ja gar nicht weiterspielen, so ohne neue Münzen.“

Beispiel 3 – Klartraum ohne Münzwerfen

„(…) ich merke ein seltsames Körpergefühl, mein Körper kribbelt wieder so. Ich überlege kurz und merke, dass ich doch träume. Jetzt befinde ich mich in einem Bett und muss meinen Traumkörper förmlich aus meinem normalen Körper herausreißen und dabei meine Augen aufreißen. Ich will etwas sehen und merke, dass ich mich in meinem ehemaligen Kinderzimmer in meinem Elternhaus befinde. Ich sehe vor mir meine Zimmertür und will heraus um mehr Klarheit und Licht zu bekommen. (…) Ich überlege kurz, ob ich jetzt das Münzwurfexperiment machen soll und nehme mir dies auch vor. Ok, ich brauche also Münzen, was aber kein Problem ist denke ich mir, da in meinem Kinderzimmer immer ein Glas mit Kleingeld stand. Und siehe da, vor mir ist eine Schüssel, indem Geld ist. Ich suche also fünf 10 Cent Stücke. Problem dabei ist aber, dass ich nicht nur 10 Cent Stücke finde sondern auch 15 Cent und 50 Pfennige etc. Ich denke mir, „Mist es sollen doch 10 Cent Stücke sein“. Ich bin immer noch auf der Suche nach genau fünf 10 Cent Stücken, als ich mir denke, egal Hauptsache es sind Münzen und wenn ich noch länger hier die Münzen anstarre, wache ich noch wegen Blickpunktfixation auf. Ich drehe mich also in Richtung Zimmermitte, da löst sich aber schon die Szene auf und ich wache auf.“

Beispiel 4 – Klartraum mit mit üben von Münzwerfen

„[Aus dem Wachzustand gelange ich am frühen Morgen direkt in den Klartraum]. Ich befinde mich in einem hohen Ballsaal. Der Raum ist in Rot- und Goldtönen geschmückt. Mehrere gute Freunde sind ebenfalls anwesend. Essen wird bestellt, und wir erörtern Zukunftspläne. Einer meiner Freunde beklagt sich, dass ihn in Darmstadt nie jemand außer mir besuchen käme. Nach dem Essen gehe ich zum Tanzen, beschließe aber schon nach kurzer Zeit, Münzwürfe zu üben. Diesmal verbringe ich keine Zeit mit der Suche nach der „Originaltasse“, sondern nutze die Sammelschale eines Bettlers, die – mit Münzen gefüllt – am Rand der Tanzfläche steht. Ich werfe je 20 Mal mit der linken und der rechten Hand [im wachen Leben habe ich stets mit links geworfen – ich bin Linkshänder]. Etwa 90 Prozent der Würfe sind „Treffer“. Zwei junge Frauen heben die geworfenen Münzen für mich wieder auf. Die Münzen erscheinen mir wesentlich größer als in Wirklichkeit. Nachdem ich mit den Würfen fertig bin, möchte ich noch ein wenig durch den Raum fliegen. Allerdings halten mich die beiden Frauen fest. Bevor ich sie fragen kann, was dies bedeutet, wache ich auf.“

(2) Wie lange können Klarträumer diese übung durchführen?

Nach dem Erwachen aus dem Klartraum waren die Teilnehmer aufgefordert, zum einen die Dauer des Klartraums und zum anderen die Dauer des Münzwerftrainings zu schätzen. In den sechs Klarträumen mit Münzwurftraining schätzten die Klarträumer im Mittel, dass Sie 8,5 Minuten (± 3,6) klar geträumt und davon 3,5 Minuten (± 2,1) Münzwerfen geübt hatten.

(3) Welche Probleme haben Klarträumer mit der gestellten Aufgabe?

Von den acht Klarträumen berichteten nur zwei Teilnehmer, dass sie die Aufgabe im Klartraum aufgrund von Problemen nicht ausführen konnten. In beiden Fällen wurden die Klarträumer von Kleinigkeiten abgelenkt und sind deshalb entweder nicht zum üben gekommen oder zurück in einen normalen Traum gewechselt. Die beiden Teilnehmer umschreiben ihre Probleme folgendermaßen:

  • „Wie soll man Münzwerfen üben, wenn man dabei auf einem rutschigen Balkon ohne Geländer steht? Ich wollte eigentlich bloß den Schnee wegkehren, damit ich die Münzen hinterher leichter wieder einsammeln kann. Und dabei hab ich dann alles vergessen, was ich wollte. Genau von dem Moment ab, wo ich mich fragte, wie ich hierher gekommen bin so ohne Tür und wieso da keine Spuren sind, war das bissel Klarheit weg.“
  • „Ein Problem bestand darin nicht irgendwelche Münzen zu finden, sondern genau fünf 10 Cent Stücke. Das Hauptproblem für mich allerdings war die Blickpunktfixation bzw. der Gedanke daran und die Möglichkeit des Aufwachens.“

In den sechs weiteren Klarträumen konnten die Teilnehmer die Aufgabe ausführen; nannten aber folgende Probleme mit der Aufgabe im Klartraum:

  • „Unsichtbarer Traumkörper, unsichtbar werdende Tasse, jedes Mal beim Werfen instabil werdender Traum (vielleicht durch das Fixieren beim Zielen?) und mein weich (=instabil ) werdender Körper.“
  • „Eigentlich ging alles recht problemlos, aber teilweise habe ich sehr schnell geworfen ohne genau zu zielen. Ich hatte auch nicht immer den gleichen Abstand wie in der Realität, sondern war eine Weile zu nah am Gefäß dran.“
  • „Zeitverbrauch beim ‘Suchen’ nach der ‘richtigen’ Tasse; außerdem war meine Konzentration wohl nicht ausreichend, um nach dem ersten Treffer weiterzumachen,
    anstelle zufrieden aufzuwachen.“
  • „Interessanterweise waren zwar viele, aber nicht alle Traumwürfe ‘Treffer’.“
  • „Keine Sicht, Keine Münzen, Abwurfmarkierung passt nicht, Kaffeetasse steht in falschem Abstand, Fingerspitzen haften etwas an der Münze, Münzen haben falsches Gewicht und fliegen zu kurz“
  • „mit dem Münzwerfen an sich hatte ich keine Probleme, allerdings hatte ich im Traum einfach keine Muße zu üben“

(4) Verbessert sich die Trefferleistung im Wachleben durch ein Training im Klartraum?

Für die folgende Analysen stellen wir die 6 Klarträume, in denen die Münzwurfaufgabe geübt wurde, den 27 Träumen (25 Normalträume und 2 Klarträume), in denen die Münzwurfaufgabe nicht bewusst oder gar nicht geübt wurde, gegenüber. Die Trefferleistung von je 20 Würfen am Abend bzw. Morgen ist in der Tabelle 2 dargestellt.

Tabelle 2. Mittelwerte und Standardabweichungen der Treffer am Abend und Morgen für die beiden Gruppen.

Münzwerfen im Klartraum geübt Münzwerfen nicht im Klartraum geübt
Treffer am Abend 3,7 (2,2) 3,3 (2,7)
Treffer am Morgen 5,0 (2,2) 2,8 (2,2)
Differenz Treffer + 1,3 (0,5) – 0,5 (1,7)
Anzahl der Nächte 6 27

Insgesamt sind die Unterschiede der Trefferleistung in beiden Gruppen den Erwartungen entsprechend. Eine statistische Analyse bestätigt den Eindruck und zeigt, dass die mittlere Differenz von 1,8 Treffen zwischen den beiden Gruppen statistisch signifikant ist.

Diskussion

Die Ergebnisse dieses Online-Experiments zeigen: (1) die Klarträumer konnten die gestellte Münzwurfaufgabe im Klartraum üben, (2) die Klarträumer nutzten weniger als die Hälfte der gesamten Klartraumdauer für das Trainieren des Münzwerfen, (3) die Klarträumer hatten in den restlichen Versuchen bzw. der restlichen Zeit teils Probleme die Aufgabe im Klartraum auszuführen (4) das Klartraumtraining wirkte sich positiv auf die Trefferleistung am Morgen aus. Die Resultate stehen damit in Einklang mit den Berichten und Resultaten von Prof. Paul Tholey, d.h. ein Klartraumtraining kann sich durchaus positiv auf die Leistung am Tag auswirken. Allerdings bleibt die Frage offen, ob sich das üben im Klartraum auf einer motorischen Ebene ausgewirkt hat, oder ob psychologische Effekte für die Steigerung der Trefferleistung wesentlich waren. Es ist durchaus denkbar, dass das erfolgreiche Trainieren des Münzwurfs im Klartraum zu einer gesteigerten Selbstsicherheit geführt hat. Damit wären die Resultate allerdings als minder effektiv zu betrachten, den letztlich spielen psychologische Faktoren im Erlernen von sportlichen Bewegungen ein wichtige und entscheidende Rolle. Es bleibt abzuwarten, wie die Resultate in weiteren Studien ausfallen – mit Sicherheit wird dieses Thema auch wieder in einem zukünftigen Online-Experiment: Klartraum behandelt.

Dank

Unser Dank gilt den 18 Teilnehmerinnen und Teilnehmer, die bei der Münzwurfaufgabe mitgemacht haben:

  • Sabine, Marianne M., Klaus G., Bollfisch, Martin S., Traumbewacher, Katinka, R.K., Mastersmike, Chaos-im-Weltall, Uli T., Anja S., Sven, Perogge, Luci, Elsaesser, Mrs. X, Daniel

Unter allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern wurde ein Exemplar von Stephen LaBerges Buch „Exploring the World of Lucid Dreaming“ verlost. Der Gewinner ist Traumbewacher. Herzlichen Glückwunsch!

Literatur

  • Erlacher, D., Schredl, M. & Grasbon, D. (in prep.). A pilot study about practicing mirror tracing in lucid dreams: Success and problems.
  • Erlacher, D., Schredl, M., & LaBerge, S. (2003). Motor Area Activation During Dreamed Hand Clenching: A Pilot Study on EEG Alpha Band. Sleep and Hypnosis, 5(4), 182-187.
  • Heuer, H. (1985). Wie wirkt mentale übung? Psychologische Rundschau, 36(3), 191-200.
  • Mechsner, F. (1994). Geschichten aus der Nacht. Geo(2), 12-30.
  • Snyder, T. J., & Gackenbach, J. (1988). Individual differences associated with lucid dreaming. In J. Gackenbach & S. LaBerge (Eds.), Conscious Mind, Sleeping Brain (pp. 221-259). New York: Plenum.
  • Tholey, P. (1981). Empirische Untersuchungen über Klarträume. Gestalt Theory, 3, 21-62.

3. Das neue Online-Experiment: Erinnerung im Klartraum

„Erinnerung im Klartraum. Begriffe lesen, merken und sich im Klartraum daran erinnern!“ ist der Titel des neuen Online-Experiments. In dieser Studie wollen wir uns mit den folgenden Fragen auseinandersetzen: Wie gut ist die Erinnerung an das Wachleben in einem Klartraum? Wenn man sich bestimmte Wörter vor dem Schlafengehen merkt, kann man sich an diese Wörter im Klartraum erinnern?

Um eine Antwort auf diese Frage zu finden, stellen wir allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern eine einfache Aufgabe: Merken Sie sich vor dem Schlafengehen vorgegebene Begriffe und versuchen Sie sich an diese im Klartraum zu erinnern. Nach dem Erwachen notieren Sie bitte Ihre erinnerten Begriffe.

Abbildung 1. Ablauf des Online-Experiments.

Clipboard

  • Das Online-Experiment ist abgeschlossen!

4. Versuchsteilnehmer/-innen für Schlaflaborstudien gesucht!

Für verschiedene Studien an der Universität Heidelberg suchen wir Klarträumerinnen und Klarträumer, die Interesse haben, an Untersuchungen im Schlaflabor teilzunehmen. Die Studien werden in einem Schlaflabor in Mannheim durchgeführt, deshalb sollten interessierte Personen möglichst im Rhein-Neckar Gebiet wohnen. Außerdem sollten Sie eine gute Traumerinnerung haben und fähig sein, möglichst gezielt Klarträume zu erleben. Falls Sie Interesse haben, dann schreiben Sie bitte eine E-Mail an: info@klartraum.de.

5. Impressum

Der Klartraum.de-Newsletter erscheint in unregelmäßigen Abständen. Vierteljährlich gibt es ein neues „Online-Experiment: Klartraum“. Sie erhalten diesen Newsletter, weil Sie den Newsletter auf klartraum.de abonniert oder an einem „Online-Experiment: Klartraum“ teilgenommen haben. Falls Sie den Klartraum.de-Newsletter abbestellen möchten, dann folgen Sie den Anweisungen im Newsletter.

Herausgeber: Daniel Erlacher
Postanschrift: Im Neuenheimer Feld 700, 69120 Heidelberg
E-Mail: info@klartraum.de
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