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[K]-Letter Nr. 05 (Mai 2005)

Submitted by on Mai 1, 2005 – 9:07 amNo Comment

Inhalte

1. Einleitung
2. Ergebnisse des Online-Experiments: Erinnerung im Klartraum
3. Online-Experiment: Lesen im Klartraum
4. Versuchsteilnehmer/-innen für Schlaflaborstudien gesucht!
5. Impressum


1. Einleitung

Liebe Leserinnen und Leser!

Herzlich Willkommen zum fünften Newsletter der Internetseite klartraum.de. Das Online-Experiment: „Erinnerung im Klartraum“ wurde im April abgeschlossen und wir wollen Ihnen die Ergebnisse nicht länger vorenthalten. Insgesamt haben 12 Klarträumerinnen und Klarträumer an der Studie teilgenommen und ihre Ergebnisse per Formular an uns zurückgesendet. An dieser Stelle schon einmal ein recht herzliches Dankeschön!

Natürlich gibt es auch in dieser Ausgabe ein neues Online-Experiment, in dem es um ein häufig diskutiertes Phänomen geht: Kann man in Klarträumen lesen? Grundsätzlich sollte nichts dagegen sprechen, im Klartraum etwas Geschriebenes zu lesen, allerdings finden sich in der Klartraumliteratur immer wieder Berichte darüber, dass es Klarträumenden im Traum nur schwer möglich ist zu lesen und wenn es gelingt, dass sich das Geschriebene beim erneuten Lesen verändert. Mehr zu dem neuen Online-Experiment finden Sie in diesem Newsletter. Auch dieses Mal wird unter allen Teilnehmenden ein Exemplar von Stephen LaBerges Buch „Exploring the World of Lucid Dreaming“ verlost.

Der Newsletter wird an ungefähr 1.000 Interessierte versendet und informiert vorrangig über die Online-Experimente, darüber hinaus bietet die Internetseite http://localhost generelle Informationen zum Thema Klartraum, wissenschaftliche Studienergebnisse und ein Diskussionsforum.

Wir wünschen Ihnen viel Spaß mit dieser Ausgabe des Klartraum.de-Newsletters!

Ihr Daniel Erlacher

2. Ergebnisse des Online-Experiments: Erinnerung im Klartraum

von Daniel Erlacher und Michael Schredl

Die Erinnerung an das Wachleben ist für einige Klartraumforscher (Tart, 1979; Tholey, 1997), ein wesentliches Merkmal, um von einem „tatsächlichen“ Klartraum zu sprechen. Die bloße Erkenntnis, dass man weiß, dass man träumt, scheint dagegen für diese Autoren nicht auszureichen, um von einem Klartraum zu sprechen. Tart (1985) schlägt für die zuletzt genannte Art von Träumen den Begriff „dreaming-awareness dreams“ vor. Green und McCreery (1998) äußern dagegen methodische bedenken, da sie meinen, dass es damit kein einfaches Bestimmungsmerkmal für Klarträume mehr gebe – ein Argument, dass man nicht unterschätzen sollte, da das Erleben eines luziden Traums objektiven Methoden nicht zugänglich ist.

In der experimentellen Klartraumforschung erübrigt sich die Debatte über die Formulierung einer genauen Definition von luziden Träumen, statt dessen werden luzide Träume indirekt über die Anforderung der zu bewältigenden Aufgabe bestimmt. D.h., dadurch, dass luzide Träumer bestimmte Aufgaben im Traum ausführen sollen, ergeben sich zwangsläufig verschiedene Anforderungen an den Träumer: Er muss sich (1) an die Anweisung der Aufgabe aus dem Wachleben erinnern, er muss (2) die geforderten Anweisungen im Traum umsetzen und er muss sich zudem (3) die gemachten Beobachtungen bis nach dem Erwachen merken. Betrachtet man die drei genannten Kriterien so findet man diese Merkmale z.B. in der „harten“ Definition von Tholey (1997) wieder. Die Art, einen luziden Traum über die Anforderungen an einen Träumer zu bestimmen, bietet den Vorteile, dass man die Anforderungen selbst zum Gegenstand für experimentelle Klartraumstudien machen kann. Genau dies haben wir in dem vergangenen Online-Experiment: „Erinnerung im Klartraum“ getan und untersucht wie gut die Erinnerung an das Wachleben ist, indem wir den Klarträumerinnen und Klarträumern folgende Aufgabe stellten: Merken Sie sich vor dem Schlafengehen vorgegebene Begriffe und versuchen Sie sich an diese im Klartraum zu erinnern. Nach dem Erwachen sollten Sie Ihre erinnerten Begriffe notieren. In dem Experiment wollten wir somit folgende Fragen überprüfen: (1) An wie viele Begriffe können sich Klarträumer insgesamt erinnern? (2) Welche Probleme haben Klarträumer mit der gestellten Aufgabe?

Methoden

Das Online-Experiment „Erinnerung im Klartraum“ war vom 26. Januar bis zum 15. April 2005 unter der Internetadresse http://localhost abrufbar. Für das Online-Experiment wurde mit zwei Newsletter geworben (27.01.05: 931 Empfänger; 14.03.05: 1008 Empfänger). Auf der Internetseite konnten Interessierte die Unterlagen für das Experiment herunterladen. Die Unterlagen umfassten eine Einführung in das Thema, Anweisungen und ein Protokollbogen. Für die Teilnahme an dem Online-Experiment sollten die Teilnehmenden folgende Punkte beachten:

  • Versuchen Sie, das Wortlisten-Experiment in einer Nacht durchzuführen, in der Sie zuversichtlich sind, einen Klartraum zu erleben.
  • Wenn Sie sich zum Schlafen ins Bett legen, dann lesen Sie aufmerksam die Wortliste durch.
  • Wenn Sie in der Nacht einen Klartraum erleben, dann versuchen Sie, sich an die Begriffe zu erinnern.
  • Wenn Sie sich im Klartraum an alle Begriffe erinnern oder Sie meinen, sich an keine weiteren Begriffe erinnern zu können, dann wecken Sie sich aus ihrem Traum und füllen den Protokollbogen aus.

Die Wortliste (A, B oder C) sollte erst vor dem Schlafen gehen gelesen werden. Wenn es dem Teilnehmenden nicht möglich war in der ersten Nacht einen Klartraum zu erleben, so konnte er die Aufgabe in einer anderen Nacht nochmals probieren; die Anzahl der Versuche wurde auf dem Protokollbogen notiert. Insgesamt gab es drei Wortlisten (siehe Tabelle 1). Wortliste A und B wurden im Zeitraum vom 27.01.2005-14.03.2005 vorgegeben. Die Versuchsteilnehmer sollten die Wortliste, die sie sich merken sollten, über den ersten Buchstaben ihres Nachnamens bestimmen (Wenn Ihr Nachname mit dem Buchstaben A-L bzw. M-Z beginnt, sollen Sie sich die Begriffe der Wortliste A bzw. B merken). In dem zweiten Zeitraum vom 14.03.2005-15.04.2005 wurde nur eine Wortliste vorgegeben (Wortliste C).

Tabelle 4. Begriffe der drei Wortlisten.

Wortliste A Wortliste B Wortliste C
Findigkeit
Beispiel
Luft
Einfluss
Erklärung
Uhr
Illusion
Begriff
Notwendigkeit
Moor
Zitrone
Eingebung
Wert
Hemmnis
Straße
Körper
Felsblock
Reptil
Gold
Auftakt
Einwirkung

Für das Lesen der Wortlisten vor dem Schlafen gehen gab es folgende Anweisungen:

  • Lesen Sie die Begriffe Ihrer Wortliste mehrmals (5 Minuten) durch und merken Sie sich die Begriffe.
  • Wenn Sie die Begriffe kennen, dann legen Sie das Blatt mit den Wortlisten zur Seite.
  • Legen Sie sich schlafen.
  • Wenn Sie kontrollieren wollen, ob Sie sich richtig an Ihre Begriffe im Klartraum erinnert haben, dann schauen Sie erst nach Abschluss des Experiments (als nach Ausfüllen des Protokollbogens) auf die Wortliste.

Nach dem die Liste weggelegt war, dachten die Teilnehmer in der Einschlafzeit 2.8 Minuten an die Begriffe (± 3,6) und während kurzer Wachepisoden dachte nur ein Teilnehmer für eine Minute an die Begriffe.

Nach einem Klartraum waren die Klarträumer aufgefordert, die Begriffe in der Reihenfolge aufzuschreiben, wie Sie sich an die Begriffe im Klartraum erinnert haben. Zudem sollten Sie alle Begriffe notieren, egal ob Sie meinten, dass ein Begriff gar nicht in der Wortliste vorkam oder der anderen Wortliste angehörte. Demnach konnten die Versuchsteilnehmer mehr als sieben Begriffe zurückmelden.

An dem Online-Experiment haben insgesamt 12 Interessierte (7 weiblich und 5 männlich) im Alter von 15 bis 59 Jahren (M = 38) teilgenommen. Im Schnitt gaben die Teilnehmer an, dass Sie sich an 6 Träume pro Woche (± 0,9) erinnern. Die Klartraumhäufigkeit wurde mit 8 Klarträume pro Monat (± 7,4) angegeben. Alle Teilnehmende waren als häufige Klarträumer (Häufigkeit mehr als einen Klartraum pro Monat) nach der Terminologie von Snyder und Gackenbach (1988) einzustufen. Zwei Teilnehmer führten das Experiment zweimal durch und schickten demnach zwei Protokollbögen. Für die folgende Auswertung werden die Resultate der zuerst eingegangen Protokollbögen (n=12) dargestellt.

Ergebnisse

(1) An wie viele Begriffe können sich Klarträumer insgesamt erinnern?

In allen eingesendeten Protokollbögen war es allen luziden Träumern möglich, sich an die gestellte Wortlisten-Aufgabe im Traum zu erinnern. Im Schnitt erinnerten die Versuchsteilnehmer 6.8 Begriffe (± 3.5). Davon waren durchschnittlich 4.1 richtige Begriffe (± 2.1) (vgl. Tabelle 2). Nur ein Teilnehmer konnte sich an keinen korrekten Begriff aus der Wortliste erinnern (wobei er dies im Klartraum beschreibt, siehe Traumbeispiel 4).

Tabelle 2. Überblick über die Anzahl der Versuche, das Experiment durchzuführen (#). Die Anzahl der insgesamt notierten Begriffe im Verhältnis zu der Anzahl der richtig erinnerten Begriffe (Ges/ok). Und in den sieben letzten Spalten die vorgegebenen Begriffe und welche Begriffe richtig erinnert wurde (ok).

Nr. # Ges/ok Findigkeit Beispiel Luft Einfluss Erklärung Uhr Illusion
01 1 3/3 ok ok ok
02 2 16/7 ok ok ok ok ok ok ok
03 1 7/7 ok ok ok ok ok ok ok
04 2 7/5 ok ok ok ok ok
05 1 9/0
06 1 5/4 ok ok ok ok
Nr. # Ges/ok Begriff Notwend. Moor Zitrone Eingebung Wert Hemmnis
07 1 8/5 ok ok ok ok ok
08 1 8/5 ok ok ok ok ok
09 19 7/7 ok ok ok ok ok ok ok
Nr. # Ges/ok Straße Körper Felsblock Reptil Gold Auftakt Einwirkung
10 1 4/2 ok ok
11 4 5/3 ok ok ok
12 1 7/5 ok ok ok ok ok

In Tabelle 2 ist zu sehen, dass drei Teilnehmer mehr als sieben Begriffe notierten, also mehr Begriffe als in den Wortlisten vorgegeben waren. In den Instruktionen wurde jedoch ausdrücklich darauf hingewiesen, alle Begriffe, die den Teilnehmern im Traum eingefallen sind, aufzuschreiben. Neun Teilnehmer berichteten insgesamt mehr Begriffe als korrekte Begriffe (z.B. Teilnehmer 04 berichtet insgesamt sieben Begriffe davon waren 5 richtig). Auch hier wurde die Klarträumer in den Anweisungen aufgefordert auch nicht-richtigen Begriffe, an die sie sich im Traum erinnerten, im Protokoll zu nennen. Im Folgenden drei Traumbeispiele in denen die Begriffe erinnert werden konnten.

Traumbeispiel 1

„Ich hatte mir die Wörter in einem zusammenhängenden Satz gemerkt: ‘Es gibt einen Mann, dessen Findigkeit ein Beispiel dafür findet, wie die Luft Einfluss darauf nimmt, eine Erklärung dafür zu finden, dass die Uhr eine Illusion ist’. Dann habe ich vor dem Einschlafen darum gebeten, mich ganz eindeutig an meinen Klartraum mit diesem Satz erinnern zu können, die Worte genau wiedergeben zu können und mich dann selbst leicht aufwecken zu können, um das Protokoll auszufüllen. Im Traum merkte ich auf einmal, wie ich diesen Satz aufsagte. Ich wurde sozusagen durch mein Aufsagen daran erinnert, dass ich klar träumte und wusste, dass ich gedanklich nun noch einmal die Stichwörter in dem Satz durchgehen sollte. Mir fiel auch alles ein. Ich dachte erst, dass ich vielleicht schon wach bin, weil alles so einfach ging, aber bemerkte dann anhand meiner Unbeweglichkeit und anderer subtiler Hinweise, dass ich doch träumte.“

Traumbeispiel 2

„… Da fällt mir ein, dass ich die Wörter gelesen habe und mich an sie erinnern will. Ich setze mich auf den Boden, ziehe die Knie an den Körper und umschlinge sie mit den Armen, lege den Kopf vornüber auf die Knie, schließe die Augen und versuche mich zu erinnern. Da sind keine Worte, überhaupt keine. Ich habe sie alle vergessen! Ich kann mich an gar keines der Wörter erinnern. Und da fällt mir ein: Raum-Zeit-Illusion-Erinnerung. Weil die Wörter so schwer waren, hatte ich Gruppen gemacht. Zeit und Illusion sind zwei von den Wörtern. Sofort fällt mir die nächste Gruppe ein: Findigkeit-Erklärung-Beispiel. Das war jetzt ganz leicht. Aber nun? Da fehlt doch noch was. Vorräte? Nein – das ist jetzt eins von Y.s Diktatwörtern; wir üben ja schon seit drei Tagen, kein Wunder, dass die Wörter sich vordrängeln wollen. Vortrag? Nein, auch nicht. Ja! Die andere Zeit-Gruppe: ein Fluss-Zeit. Einfluss hieß das blöde Wort. Und dann waren da doch noch Moor und Zitrone? Aber nicht bei mir! Wie krieg ich bloß das letzte Wort? Ach, natürlich, wie konnte ich das nur vergessen, die dritte Zeit-Gruppe: Zeit-Illusion-Fata Morgana-Luft. Luft war das letzte Wort Und dann fällt mir ein: Zeit war aber keines von den Wörtern, das Wort, aus dem ich Zeit gemacht habe, heißt doch Uhr. Nun habe ich sie hoffentlich alle. Ich sage sie mir noch mal auf: Uhr, Illusion, Einfluss, Luft, Findigkeit, Erklärung, Beispiel.“

Traumbeispiel 3

„[das Wort Eingebung wurde beim klar werden erinnert]… Ich war also klar und wusste sofort über das Experiment bescheid. Ich stelle das Blech mit überbackenen Schnitten auf den Tisch Bedient euch selber! Und gehe raus um Wörter zu sammeln. Ich gehe aus dem Restaurant raus ins Moor und laufe mühsam zu den Zitronenbäumchen. Dort pflücke ich eine Zitrone und beiße rein. Es ist so sauer, das ich auf meine Straße katapultiert werde. Ich stehe da und sehe in diesem Traum keinen Wert. … Ich suche nach einem Begriff. Ich sehe ein Ei aus welchem ein Wort raus will. Es pocht an der Wand und man sieht schon ein „H“ (H…mm…=Hemmung? [Hemmnis ist der Begriff]) Ich lasse es in Ruhe selber hinauskommen und gehe um die Ecke, um den Hausmeister nach dem 7 Wort von der Liste zu fragen. Der sagt: ‘schau doch selber in die Liste!’ – altklug! Ich gehe nach Hause und schaue in die Liste, kann aber außer dem Wort „Begriff“ nichts lesen. Ich frage meine Tochter, aber die scherzt … Mir ist klar, dass das letzte Wort mit N anfängt [Notwendigkeit ist der Begriff] und das ich mich nicht mehr an das Wort erinnern kann…“

Wie oben genannt, wurden die Versuchsteilnehmer in den Instruktionen aufgefordert, alle Begriffe, an die sie sich im Klartraum erinnern konnten, zu nennen. In Tabelle 3 sind die nicht-korrekten Begriffe im Überblick dargestellt. Folgende Auffälligkeiten ergeben sich: (1) vier Mal wurde der Begriff von der falschen Wortliste genannt; (2) zweimal wurde nur der erste Buchstabe gewusst; (3) dreimal wurde nur ein Teil des Begriffs richtig erinnert; (4) der Begriff „Erinnerung“ tauchte zweimal auf; (5) einmal wurde ein Synonym.

Tabelle 3. Überblick über die nicht-korrekten Begriffe.

Nr. falsche Begriffe
02 Raum, Zeit, Erinnerung(4), Vorräte, Vortrag, ein Fluss, Moor(1), Zitrone(1), Fata Morgana
04 Irgendetwas mit F.(2), Erinnerung(4)
05 Blicke, Einblick, Lichtblick, Lichtblicke, Lichtbild, Bild, Zitrone(1), Moor(1)
06 Einblick
07 Hemmung(3), Nachtbilder, Nüchtern, Wort mit N.(2)
08 Moos(3), Eingehen(3)
10 Stein(5)
11 Pfau, Strauß(3)
12 Aufmerksamkeit, Einschreitung

(2) Welche Probleme haben Klarträumer mit der gestellten Aufgabe?

Die Versuchsteilnehmer, die drei oder weniger Begriffe erinnerten, beschreiben in ihren Traumberichte verschieden Probleme, warum sie sich nicht an mehr Begriffe erinnern konnten: (1) Der Versuchsteilnehmer, der sich an keinen richtigen Begriff im Klartraum erinnern konnte, berichtet, dass er nicht den Einstieg in die Liste fand. Er erinnerte sich zwar an insgesamt neun Begriffe, wusste jedoch, dass es sich um die falschen Begriffe handelte. (2) Bei zwei Teilnehmern waren der Klartraum zu kurz, um weitere Begriffe zu erinnern. (3) Drei Teilnehmern konnten sich einfach nicht an mehr Begriffe erinnern und (4) zwei Teilnehmer wurden von anderen Traumhandlungen in den Bann gezogen. Die folgenden Traumbeispiele sollen die Probleme, die sich bei der Wortlisten-Aufgabe ergeben haben, verdeutlichen.

Traumbeispiel 04

„… Da dachte ich an das Experiment und wollte mich an die Begriffe erinnern. Mir wurde mehr und mehr klar, dass ich den Einstieg in das erste Wort meiner Liste nicht schaffe. Verzweifelt dachte ich wieder und wieder ‘Mit welchem Wort fangen jetzt bloß die Begriffe an’. Begriffe drängten sich mir unaufhörlich auf und während ich an sie dachte, wusste ich, es sind die falschen Begriffe. Immer wieder und wieder versuchte ich die Begriffe in mein Gedächtnis zu holen. Ich bereitete Spinat mit Lachs zu und da dachte ich an Zitrone und wusste zu Fisch gehört Zitrone und ich wusste auch, dieser Begriff ist richtig, wenn auch auf der ‘falschen’ Liste. Dann fiel mir Moor ein. Dann weckte ich mich auf, weil ich realisierte, dass mir die richtigen Begriffe nicht mehr einfallen würde.“

Traumbeispiel 05

„Nach einigen Szenewechseln fing es an, dass ich dachte, ich hätte etwas Wichtiges zu erledigen und nachdem ich auf den ersten Begriff (über den Umweg Geld) Gold gestoßen bin, ergab sich auch gleich Stein. Und ich wusste, dass ich die anderen Begriffe vergessen hatte. Aber in meinem Traumzustand hatte ich keine Zeit mehr, mich darum zu kümmern.“

Traumbeispiel 06

„doch ich konnte mich gleich an meine Aufgabe erinnern. Mir kamen schnell die Wörter in den Kopf: Findigkeit, Beispiel, Einfluss. Plötzlich hatte ich keine Lust mehr und sprang aus dem Fenster. Ich ging in ein Haus, dort waren meine Eltern. Das war es auch schon, dann weiß ich nichts mehr. “

Traumbeispiel 07

„Dann ging ich hinüber in mein Schlafzimmer und sagte mir, dass ich mich nun an die Wortliste erinnern müsse. Ohne Erfolg Erstmal. Dann verließ ich die Wohnung und ging zu meinem Auto… Und dann hatte ich die Erinnerung an Straße. Ich bemühte mich, die anderen Worte zu erinnern, aber die kamen nicht. Mir war aber bewusst, dass die beiden letzten Worte keine Gegenstände bezeichneten… Dann denke ich wieder an die Liste und dass ich sie in diesem Traum wieder nicht komplett visualisiere Also lasse ich los und werde wach“

Diskussion

Die Ergebnisse dieses Online-Experiments zeigen, dass die Klarträumer sich an die gestellte Wortlisten-Aufgabe im Traum erinnern konnten und zum großen Teil sich an die Begriffe richtig erinnerten. Drei Studienteilnehmer konnten sich an alle sieben Begriffe im Klartraum erinnern. Allerdings ergaben sich für einige Klarträumer auch Schwierigkeiten mit der Aufgabe. Nur in einem Fall erinnerte sich ein Studienteilnehmer an keinen richtigen Begriff im Klartraum.

Es stellt sich die Frage, wie die Erinnerung an die Begriffe im Wachen gewesen wäre. Es könnte ja durchaus sein, dass ein Versuchsteilnehmer, der sich im Klartraum an drei Begriffe korrekt erinnern konnte, im Wachen evtl. auch nur drei Begriffe erinnert hätte. Aus der Gedächtnispsychologie weiß man, dass sieben Begriffe gut im Kurzzeitgedächtnis gehalten werden können. Durch Wiederholung können diese Begriffe im Kurzgedächtnis erhalten bleiben, um die Informationen jedoch langfristig zu speichern, müssen die Begriffe ins Langzeitgedächtnis überführt werden. In dem Worlisten-Experiment mussten sich die Teilnehmer die Begriffe über eine längere Zeitspanne merken, so dass die Leistung vom Langzeitgedächtnis erbracht werden musste. In weiteren Experimenten sollte deshalb die Erinnerung im Wachen (z.B. am nächsten Morgen) ebenfalls erhoben werden.
Durch Merkstrategien (z.B. Eselsbrücke, Bündeln, etc.) können sich Begriffe besser gemerkt werden. Einige Klarträumer erwähnen in Ihren Traumberichten, eine solche Strategien angewandt zu haben. Diese Teilnehmer erzielten auch sehr gute Ergebnisse. In dieser Studie wurde jedoch nicht explizit nachgefragt, ob eine Lernstrategie angewandt wurde, so dass wir diese Information nicht von jedem Studienteilnehmer kennen und deshalb auch keine Aussage treffen können, ob die Versuchsteilnehmer, die eine Lernstrategie angewandt haben, bessere Leistungen erzielt haben. Dies sollte ebenfalls in weiteren Studien berücksichtigt werden. Es bleibt abzuwarten, wie die Resultate in weiteren Studien ausfallen – mit Sicherheit wird dieses Thema auch wieder in einem zukünftigen Online-Experiment: Klartraum behandelt.

Dank

Unser Dank gilt den 12 Teilnehmerinnen und Teilnehmer, die bei der Wortlisten-Aufgabe mitgemacht haben:

  • Eike V., Museparadise, Don R., Sabine, Martin, Bollfisch, G.M., Prinzsfrau, R.K., Thomas F., Margit H., Somine

Unter allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern wurde ein Exemplar von Stephen LaBerges Buch „Exploring the World of Lucid Dreaming“ verlost. Die Gewinnerin ist Margit. Herzlichen Glückwunsch!

Literatur

  • Green, C., & McCreery, C. (1998). Träume bewußt steuern. Über das Paradox vom Wachsein im Schlaf. Frankfurt a. M.: Fischer.
  • Holzinger, B., LaBerge, S., & Tholey, P. (1998). Diskussion über Induktionsmethoden, theoretische Grundlagen und psychotherapeutische Anwendungen des Klarträumens. Gestalt Theory, 20, 143-172.
  • Tart, C. T. (1979). From spontaneous event to lucidity: A review of attemps to consciously control nocturnal dreaming. In B. B. Wolman (Ed.), Handbook of dreams (pp. 226-268). New York: Van Nostrand.
  • Tart, C. T. (1985). What do we mean by „`lucidity“‘? Lucidity Letter, 4, 12-17.
  • Tholey, P., & Utecht, K. (1997). Schöpferisch Träumen. Der Klartraum als Lebenshilfe (3. ed.). Eschborn: Klotz.

3. Online-Experiment: Lesen im Klartraum

„Lesen im Klartraum: Im Klartraum einen Text lesen, wegschauen und erneut lesen“ ist der Titel des neuen Online-Experiments. In dieser Studie wollen wir uns mit den folgenden Fragen auseinandersetzen: Wie gut kann man im Klartraum lesen? Verändert sich ein Text beim zweiten Lesen im Klartraum?

Um eine Antwort auf diese Fragen zu finden, stellen wir allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern eine einfache Aufgabe: Lesen Sie im Klartraum einen kurzen Text, schauen sie weg und versuchen Sie den Text erneut zu lesen. Hat er sich verändert? Ist er gleich geblieben? Notieren Sie Ihre Beobachtungen nach dem Erwachen.

Als kleiner Anreiz wird unter allen Teilnehmer/innen ein Exemplar von Stephen Laberges Buch „Exploring the world of lucid dreaming“ verlost.

Abbildung 1. Ablauf des Online-Experiments.

anweis1

  • Das Online-Experiment ist abgeschlossen!

4. Versuchsteilnehmer/-innen für Schlaflaborstudien gesucht!

Für verschiedene Studien an der Universität Heidelberg suchen wir Klarträumerinnen und Klarträumer, die Interesse haben, an Untersuchungen im Schlaflabor teilzunehmen. Die Studien werden in einem Schlaflabor in Mannheim durchgeführt, deshalb sollten interessierte Personen möglichst im Rhein-Neckar Gebiet wohnen. Außerdem sollten Sie eine gute Traumerinnerung haben und fähig sein, möglichst gezielt Klarträume zu erleben. Falls Sie Interesse haben, dann schreiben Sie bitte eine E-Mail an: info@klartraum.de.

5. Impressum

Sie erhalten diesen Newsletter, weil Sie den Newsletter auf klartraum.de abonniert oder an einem „Online-Experiment: Klartraum“ teilgenommen haben. Falls Sie den klartraum.de-Newsletter abbestellen möchten, dann folgen Sie den Anweisungen im Newsletter.

Herausgeber: Daniel Erlacher
Postanschrift: Im Neuenheimer Feld 700, 69120 Heidelberg
E-Mail: info@klartraum.de
Homepage URL: http://localhost

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