Home » [K]-Letter

[K]-Letter Nr. 12 (Oktober 2008)

Submitted by on Oktober 1, 2008 – 9:19 amOne Comment

Inhalte

1. Einleitung
2. Ergebnisse des Online-Experiments: Traum-Ich, Traum-Du oder Traum-Wir?
3. Neues Online-Experiment: Weisst du was, was ich nicht weiss?
4. Online-Fragebogen: Zuletzt erinnerte Traum?
5. Verschiedenes
6. Versuchsteilnehmer/-innen für Schlaflaborstudien gesucht!
7. Impressum


1. Einleitung

Liebe Leserinnen und Leser!

Herzlich Willkommen zum zwölften [K]-Letter der Internetseite klartraum.de. Das aktuelle Online-Experiment ist abgeschlossen und die Ergebnisse liegen vor. Sind die Traumcharaktere in unseren Träumen mental mit uns verbunden? Können sie von uns erdachte Zahlen erraten? Dies herauszufinden haben sich in den vergangenen Wochen interessierte und engagierte Klarträumerinnen und Klarträumer zur Aufgabe gemacht. Welche spannenden Ergebnisse uns dabei erreichten erfahren Sie weiter unten.

Auch in diesem [K]-Letter gibt es ein neues Online-Experiment, in dem es um die umgedrehte Fragestellung geht: Können wir die Gedanken von Traumcharakteren lesen und damit auf ihr Wissen zugreifen? Weiter unten finden Sie den Link zum aktuellen Online-Experiment. Zudem gibt es noch zwei Ankündigungen. Zum einen gibt es einen Online-Fragebogen von Prof. Michael Schredl, in dem es um den zuletzt erinnerten Traum geht. Zum anderen möchten wir Sie auf zwei Bücher von Prof. Michael Schredl und verschiedene Angebote (Klartraumseminare) von Frau Dr. Holzinger aufmerksam machen.

Der [K]-Letter wird an 1846 Interessierte versendet und informiert vorrangig über die Online-Experimente, darüber hinaus bietet die Internetseite http://localhost generelle Informationen zum Thema Klartraum, wissenschaftliche Studienergebnisse und ein Diskussionsforum.

Viel Spass beim Lesen des zwölften K-Letters

Daniel Erlacher & Steffen Schmidt

2. Ergebnisse des Online-Experiments: Traum-Ich, -Du oder -Wir?

von Steffen Schmidt und Daniel Erlacher

Traumcharaktere spielen in vielen Träumen eine wichtige Rolle. Oftmals hinterlassen sie auf den Träumenden den Eindruck einer eigenständigen Person. Sie handeln häufig wie wir es von anderen Menschen im Wachleben gewohnt sind. Beschäftigen wir uns mit ihnen, so reagieren sie auf die unterschiedlichste Art und Weise. Einige unterhalten sich mit uns, andere nehmen kaum Notiz oder fühlen sich sogar von uns belästigt. Diese vielfältigen Verhaltensweisen werfen früher oder später die Frage auf, ob Traumcharaktere tatsächlich eine eigenständige Persönlichkeit besitzen, oder ob ihr Tun und Handeln letztendlich vom Träumenden selbst bestimmt wird. Beide Alternativen sind grundsätzlich denkbar. Tholey (1985) konnte in verschiedenen Studien zeigen, dass Traumcharaktere durchaus in der Lage sind, komplexe Handlungen zu zeigen und auf Interaktionen einzugehen. Die Reaktion ist dabei für den Träumenden oftmals nicht vorhersehbar und wirkt dadurch selbstbestimmt. Auf der anderen Seite ist es im Traum für unser Gehirn nicht möglich, komplexe Informationen aus der Umwelt aufzunehmen. Aus naturwissenschaftlicher Sicht lässt dies keinen anderen Schluss zu, als den, dass die Traumcharaktere zwangsläufig den gleichen neuronalen Prozessen zugrunde liegen wie das Traum-Ich: nämlich dem Gehirn des Träumenden.

Im letzten Online-Experiment sind wir den mathematischen Fähigkeiten der Traumcharaktere auf den Grund gegangen. Wir kamen zu dem Ergebnis, dass die Rechenfähigkeiten von Traumcharakteren weit unter denen unserer Mitmenschen aus dem Wachleben liegen. Legen wir die Tatsache zugrunde, dass Traum-Ich und Traumcharakter dem gleichen Gehirn entspringen, so ist diese Erkenntnis auf den ersten Blick nicht verwunderlich. Eine Arbeitsbereichverdopplung, wie sie hier vorliegt, könnte zu einer verminderten Rechenleistung in den Teilbereichen führen. Unser Gehirn muss sozusagen Traumcharakter und Traum-Ich gleichzeitig erzeugen. Dieses Ergebnis klärt jedoch nicht die Frage, ob der Traumcharakter Zugang zum Arbeitsbereich des Traum-Ichs hat, oder ob dieser völlig autonom generiert wird. Tholey führt für diese Möglichkeit verschiedene Krankheitsbilder auf (z.B. Persönlichkeitsspaltung), die nahelegen, dass ein einzelnes Gehirn durchaus in der Lage ist, mehrere eigenständige Persönlichkeiten zu formen.

Methoden

Die Datenerhebung zum Online-Experiment „Traum-Ich, Traum-Du oder Traum-Wir?“ erstreckte sich vom 20.07.08 bis zum 24.09.08. Für das Online-Experiment wurde mit einem [K]-Letter, auf der klartraum.de Homepage geworben. Auf der Internetseite konnten Interessierte die Unterlagen für das Experiment herunterladen. Die Unterlagen umfassten eine Einführung in das Thema, Anweisungen und ein Protokollbogen. Im Anschluss wurde ein Fragebogen online ausgefüllt. Für die Teilnahme an dem Online-Experiment sollten die Teilnehmenden im Klartraum folgende Punkte beachten :

  • Wenn Sie einen Klartraum erleben, dann sprechen Sie eine beliebige, ihnen freundlich gesinnte Person an und fragen sie, ob sie kurz Zeit hat, um mit ihnen ein Experiment zu machen.
  • Frage 1) Heben Sie beide Hände gut sichtbar für den Traumcharakter und zeigen Sie deutlich eine beliebige Anzahl von Fingern. Fragen Sie den Traumcharakter nach der Anzahl der gezeigten Finger. Merken Sie sich die Antwort und die Anzahl der tatsächlich von Ihnen gezeigten Finger.
  • Frage 2) Wiederholen Sie nun das Experiment, jedoch zeigen Sie dieses Mal ihre Hände nicht, sondern behalten ihre Finger hinter Ihrem Rücken. Fragen Sie erneut den Traumcharakter nach der Anzahl der gezeigten Finger. Merken Sie sich die genannte Antwort und die Anzahl der tatsächlich von Ihnen gezeigten Finger.
  • WICHTIG! Wenn der Traumcharakter für die zweite Frage keine Zahl nennt, dann fordern Sie ihn auf die Anzahl der Finger zu erraten. Merken Sie sich die genannte Antwort. Nach dem Erwachen notieren Sie zuerst die Antworten, später den Traumbericht auf ihrem Protokollbogen. Sie können das Experiment auch gerne in weiteren Klarträumen mit verschiedenen Traumcharakteren durchführen. Füllen Sie dazu den Bogen bitte jeweils neu aus.

Es haben 15 Teilnehmer (4 weiblich, 11 männlich) im Alter von 14 bis 45 Jahren (mittleres Alter: 26,5 ± 10,2 Jahre) bei diesem Experiment teilgenommen. Im Schnitt gaben die Teilnehmer an, dass sie sich an 4,4 Träume pro Woche ± 2,5 erinnern. Die Klartraumhäufigkeit wurde mit 6,6 Klarträume pro Monat ± 7,2 angegeben. 10 der 15 Teilnehmenden waren als häufige Klarträumer (Häufigkeit mehr als einen Klartraum pro Monat) nach der Terminologie von Snyder und Gackenbach (1988) einzustufen.

Abbildung 1. Verdeckte Bedingung für Raten.

DSC01187klein

Die Klarträumerinnen und Klarträumer konnten das Experiment auch mehrmals durchfürhen. Drei Klarträumer nutzten die Chance davon und schickten 2, 4 bzw. 9 Protokollbögen, so dass insgesamt 27 Protokolbögen vorlagen. Wiederum machten einige Klarträumer das Experiment in einem Klartraum mehrmals, so dass das Experiment von fünf Personen zwei Mal, von einer Person vier Mal und von einer Person 17 Mal durchgeführt wurde. Insgesamt wurde das Experiment also 38 Mal durchgeführt. Allerdings wurde das Experiment nicht immer komplett bzw. korrekt zu Ende gebracht. Die tatsächliche Anzahl der Experimente werden wir an den entsprechenden Stellen explizit nennen.

Ergebnisse bezogen auf die Versuchsteilnehmer

Zunächst werden wir die Ergebnisse für die 15 Versuchsteilnehmer für deren erste Teilnahme auswerten und darstellen. Für die erste Teilnahme der 15 Klarträumer konnte 14 Mal die offene Variante und 12 Mal die verdeckte Variante des Experiments durchgeführt werden. Die Gründe für eine nicht erfolgreiche Durchführung werden weiter unten analysiert. Die relative Häufigkeit der richtigen Antworten sind in Abbildung 1 dargestellt. Bei 8 von 14 Versuchen konnte der befragte Traumcharakter die erste Frage richtig beantworten. Die zweite Frage konnten noch 7 Traumgestalten bei 12 Versuchen richtig beantworten. Der zu erwartende Wert für die verdeckte Variante ergibt sich aus der simplen Ziehung „1 aus 11″ (da die 0 und 10 als mögliche Antworten gelten gibt es 11 mögliche Antworten).

Abbildung 2. Im Traum erzielte vs. im Wachen erwartete Ergebnisse für die korrekt durchgeführten Versuche.

kletter_12_1

Bei genauerer Betrachtung der Ergebnisse fällt auf, dass fast alle diejenigen Traumcharaktere, die die erste Antwort falsch beantworten, auch die zweite falsch beantworten. Streichen wir diese Situationen, also die, in denen schon die erste Frage falsch beantwortet wird, so werden die Ergebnisse noch deutlicher: Bis auf eine Ausnahme konnten alle Traumcharaktere, die in der Lage waren offen vorgehaltene Finger zu zählen, auch die hinter dem Rücken versteckten Finger erraten. Die Zuordnung der offenen zu der verdeckten Variante des Finger-Experiments ist in Abbildung 2 als Kreuztabelle dargestellt.

Abbildung 3. Zuordnung offene zu verdeckte Variante des Finger-Experiments.

kletter_12_2

Ergebnisse bezogen auf die Durchführungen

Von den 15 Teilnehmern und Teilnehmerinnen wurden insgesamt 29 verschiedene Traumcharaktere befragt. Unter diesen 29 Traumcharakteren wurden 38 Experimente durchgeführt. Bei den Traumcharakteren handelte es sich um 15 den Träumenden unbekannte Personen, sowie 3 Familienangehörige, 8 Freunde und Bekannte, 2 Prominente (Jack Nicholson und Herman Finkers) und einem Teddybär bzw. Fernseher. Interessanterweise verhielten sich beide Promis sehr unkooperativ, wobei der sonst so schweigsame Teddybär immerhin ein falsches Ergebnis zum Experiment beisteuerte. Bei 14 der 28 Traumcharaktere wurde ein Alter angegeben. Dieses bewegt sich zwischen 7 und 40 Jahren. Sechs Traumcharaktere verweigerten die Zusammenarbeit oder wurden abgelenkt. Wurden aus bestimmten Gründen nur der offene bzw. der verdeckte Teil durchgeführt, so wurden die Ergebnisse – wie zuvor – nicht berücksichtigt.

Die Traumpersonen konnten in 13 von 21 Fällen die Finger vor dem Körper korrekt zählen (62%). In 19 von 29 Fällen konnten sie auch die korrekte Anzahl an Fingern hinter dem Rücken erraten (66%). Dies ist mehr als sechs mal so viel wie der zu erwartende Wert von 9% und durchaus vergleichbar mit den Ergebnissen aus Abbildung 1. Ein Besipiel dafür, wie das Experiment in der Praxis ablief, liefert folgender Ausschnitt aus einem eingegangenen Traumbericht:

“ Ich halte meine linke Hand hoch, drehe den Daumen nach hinten und möchte 4 Finger zeigen. Doch ich kann den linken Daumen nicht so verstecken wie ich es möchte. Also nehme ich die rechte Hand zu Hilfe und drücke den linken Daumen damit nach rückwärts. Dann schaue ich das Kind an und frage: „Wieviele Finger halte ich hoch?“ Es antwortet: „Zehn“. Etwas irritiert schau ich auf meine Hände. Ich sehe, dass ich beide Hände direkt nebeneinander halte, Daumen an Daumen, 10 Finger also. Das Traumkind hat recht. Ein Blick auf beide Hände sagt mir zudem, dass die Fingerzahl tatsächlich wie im WL ist, 2*5, keiner zuviel. Die Kinder wollen weiter spielen. Ich rufe, dass das Experiment noch nicht zu Ende ist – worauf sie wieder zu mir schauen. Ich halte meine linke Hand hinter den Rücken und strecke zwei Finger hoch. „Wieviel Finger halte ich hinter meinem Rücken hoch?“ Das Kind von vorhin antwortet:“Zwei “ […]“

Dies ist ein Beispiel für ein komplett durchgeführtes Experiment. Hier zeigt sich recht deutlich, dass selbst einfach erscheinende Aufgaben im Klartraum zum Problem werden können. Einige Teilnehmer berichten über deformierte, seltsam verschwommene Hände, oder ungewolltes Hinzufügen oder Wegnehmen von Fingern. Andere wiederum werden abgelenkt oder stoßen auf unkooperative Traumgestalten, was immerhin fast 20% der Experimente ausmachte (7 der 37 Fälle).

Ergebnisse Einzelfall

Das Experiment wurde von einem Teilnehmer insgesamt 17 davon 15 Mal korrekt in der verdeckten Variante durchgeführt. Für diesen Einzelfall ergibt sich auch eine weit über der zu erwartenden Wahrscheinlichkeit liegende Ratequote. Dennoch, auch in diesem Fall lässt sich die Anzahl der Finger nicht zu 100% von dem Traumcharacter erraten (siehe Abbildung 3).

Abbildung 4. Einzelfall für verdeckte Variante in 15 Versuchen.

kletter_12_3

Betrachten wir die weiteren Traum-Serien, zeigt sich auch hier, dass es nur in zwei Fällen vorkam, dass sich die Ergebnisse in den beiden Varianten „offen“ und „verdeckt“ unterschieden. Außerdem war es nur in einer Serie der Fall, dass alle Antworten korrekt waren. Der Ausgang des Experiments scheint also nicht in erster Linie vom Träumenden abzuhängen.

Diskussion

Sowohl die Ergebnisse für das offen durchgeführte Experiment, als auch die des verdeckt durchgeführten unterscheiden sich statistisch signifikant (Irrtumswahrscheinlichkeit <1%) von den im Wachen erwarteten Ergebnissen (Vgl. Abbildung 1). Beim offenen Experiment erwarteten wir im Wachsein 100% richtige Ergebnisse, da nur Traumcharaktere befragt wurden, denen auch im realen Leben zuzutrauen ist, dass sie die Finger einer vorgehaltenen Hand zählen können (mit Ausnahme des Teddybärs) und 9% für das verdeckte Experiment. Das verdeckte Experiment gleicht einer Lotterieziehung „1 aus 11″, bei dem der Teilnehmer im Wachzustand 9% Chance hat, die richtige Zahl zu erraten. Bei 30 Ziehungen erwarteten wir damit 3 Treffer.

Streichen wir also diejenigen Traumcharaktere, von denen wir im Voraus keine vernünftige Antwort erwarten, so zeigt sich, dass fast alle übrigen wissen, welche Zahl wir uns ausdenken. Statt 9% richtig geratene Antworten im Wachleben sind es also beinahe 100% im Traum. Damit liegt es nahe die Traumcharaktere nicht in die zwei Kategorien „Können unsere Gedanken lesen“ und „Können unsere Gedanken nicht lesen“ einzuteilen, sondern in „Haben ernsthaft am Experiment teilgenommen“ und „Konnten oder wollten nicht teilnehmen“.

Die Ergebnisse zeigen, dass die Traumcharaktere über Fähigkeiten verfügen, die sie von realen Personen unterscheiden. Sie waren in der Lage 60% der verdeckten Zahlen zu nennen. Dies im Wachzustand bei 28 realen Menschen zu erreichen ist beinahe unmöglich. Hier stellt sich die immer noch offene Frage, ob nun die Traumgestalten unsere Gedanken lesen, oder ob unsere Gedanken die Handlungen der Traumcharaktere, hier das Nennen der gewünschten Zahl, festlegen. Eins steht dabei außer Frage: Um diesen Informationsvorsprung zu erklären, müssen wir davon ausgehen, dass wir uns mit den Traumcharakteren ein und das selbe Informationsspeicherorgan teilen: Unser Gehirn. Hier hinkt auch der Vergleich mit den oben bereits angesprochen Krankheitsbildern wie etwa der multiplen Persönlichkeitsspaltung (dissoziative Identitätsstörung), bei der ein Gehirn mehrere Persönlichkeiten mit eigenem Bewusstsein entwirft. Denn diese treten im Gegensatz zu unseren Traumgestalten nie zur selben Zeit auf. Auch dank einigen Hollywood-Filmen ist die Annahme weit verbreitet, dass dies möglich sei und es sich bei einer Persönlichkeitsspaltung um Schizophrenie handelt. Hier soll nocheinmal erwähnt sein, dass es sich dabei um zwei verschiedene Krankheitsbilder handelt, wobei die unter Schizophrenie Leidenden lediglich Wahnvorstellungen und Halluzinationen durchleben. Dabei sind sie ständig ein und die selbe Person. Es treten im Wachleben also niemals mehrere Persönlichkeiten zur selben Zeit auf.

Es konnte mit diesem Experiment gezeigt werden, dass zumindest das Traum-Ich aus Sicht der Traumcharaktere kein eigenständiges Bewusstsein besitzt, da dessen Gedanken und Wahrnehmungen von den anderen Personen „gewusst“ werden. Inwieweit diese Erkenntnis umkehrbar ist und man damit von einem gemeinsamen Bewusstsein sprechen kann, bleibt zu zeigen. (Siehe aktuelles Online-Experiment)

Auch bleibt offen, ob die Fähigkeiten der Traumcharaktere von eben diesen, der oder dem Träumenden, oder vom Traum selbst abhängen. Obwohl nicht alle Traumcharaktere beim verdeckten Experiment die korrekte Fingeranzahl nannten, bleibt aufgrund der hohen Irrtumsrate beim offenen Experiment nicht auszuschließen, dass sie alle dazu fähig sind. Die genauere Betrachtung der Verteilung der falschen Antworten bestätigt diese Annahme sogar noch. Die Auswertung der Traum-Serien ergab, dass nur in einer der sieben Experiment-Serien alle Antworten korrekt waren. Anscheinend trifft jeder von uns auf kooperative und unkooperative, auf interessierte und auf desinteressierte Traumgestalten. Man kann also mit Sicherheit sagen: Kein Traumcharakter gleicht dem anderen. Wenn wir nun behaupten wollen unsere Traumcharaktere hätten kein eigenes Bewusstsein, so müssen wir uns doch eingestehen, dass sie zumindest verschiedene Persönlichkeiten zeigen. Wo wir gerade beim Thema Unterschiede sind, interessanterweise waren von den 29 befragten Traumcharakteren nur 7 weiblich, wovon drei aufgrund von Schüchternheit keine Antworten gaben, eine abgelenkt wurde, zwei zwar die richtige verdeckte Zahl nannten, beim offenen Experiment jedoch vierzehn statt einem, bzw. fünf statt zwei Finger zählten und die siebte zweimal falsch lag. Damit waren alle unkooperativen Traumgestalten weiblich oder prominent und alle(!) anderen männlichen Befragten nahmen am Experiment teil. Es konnte in anderen Studien gezeigt werden (Schredl 2007), dass statistisch gesehen mehr Männer in Träumen vorkommen. Frauen träumen im Schnitt gleichermaßen von Männern und Frauen, bei Männern hingegen sind etwa zwei Drittel der Traumcharaktere männlich. (Schredl 2007) Ein Grund dafür könnte sein, dass Männer häufiger von aggressiven Inhalten träumen und darin häufiger männliche Traumgestalten involviert sind.

Literatur

  • Schredl, M. (2007). Träume – Die Wissenschaft enträtselt unser nächtliches Kopfkino. Berlin: Ullstein Verlag.
  • Tholey, P. (1985). Haben Traumgestalten ein eigenes Bewusstsein? Gestalt Theory, 7, 29-46.

Dank

Unser Dank gilt ganz besonders den Teilnehmerinnen und Teilnehmern: MontyPython, Christoph, pasQuale, Ennoinzichprodaktschens, Domi2000, Fledermaus, Laura, Tom Badusche, donrinatos@gmx.de, Danyduc, nightmarewalker, Friiitz, Hack und in gleicher Weise den anonymen Teilnehmern, die hier nicht genannt werden wollen.

Der Gewinner des Buchs „Exploring the world of lucid dreaming“ von Stephen LaBerge ist Christoph herzlichen Glückwunsch und viel Spass beim Lesen.

3. Neues Online-Experiment: Weißt du was, was ich nicht weiß?

Mit dem neuen Experiment wollen wir uns der Frage annähern, ob das Traum-Ich Zugang zum „Arbeitsbereich“ des Traumcharakters hat. Es handelt sich also gerade um die Umkehr des vorangegangenen Experiments. Gerade weil dies, vor Allem für diejenigen unter Ihnen, die schon an diesem Experiment teilgenommen haben, auf den ersten Blick nicht sehr spektakulär klingt, brauchen wir dieses Mal ihre Hilfe ganz besonders. Sie sollen verschiedenen Traumcharaktere dazu auffordern sich eine Zahl auszudenken und diese im Anschluss selbst erraten. Gelingt dieser Brückenschlag, so können wir ganz gezielt Aussagen über die Verbindung und Bewusstseinslage von Traum-Ich und Traumcharakter treffen. Die Traumcharaktere in unseren Träumen wissen was wir denken. Nun gilt es herauszufinden ob wir auf das zugreifen können, was sie wissen! Vielleicht ist es ja schon bald verboten in Klassenarbeiten und Klausuren zu schlafen, man könnte ja einen Traumcharakter um Hilfe bitten…

  • Das Online-Experiment ist abgelaufen!

4. Online-Fragebogen: Zuletzt erinnerte Traum?

Bis zum 17. November gibt es einen Online-Fragebogen von Prof. Michael Schredl, in dem es um den zuletzt erinnerten Traum geht. Es wäre schön, wenn sich ein paar Leserinnen und Leser spontan dazu entschließen könnten, den Fragebogen noch fix auszufüllen.

  • Das Online-Experiment ist abgelaufen!

5. Verschiedenes

Seit September 2007 gibt es ein sehr gutes populärwissenschaftliches Buch über die Traumforschung mit Tipps zum Umgang mit Alpträumen und zur Arbeit mit Träumen von Prof. Michael Schredl. Weiterhin ist von Prof. Schredl eine kompaktes Fachbuch zur aktuellen Traumforschung im April 2008 auf den Büchermarkt erschienen. Wer Interesse hat schaut auf der Internetseite von Prof. Schredl vorbei, dort finden sich auch weitere spannende Informationen rund um die Traumforschung:

Zum anderen möchten wir Sie auf die verschiedenen Angebote (Klartraumseminare) von Frau Dr. Holzinger aufmerksam machen. Frau Dr. Brigitte Holzinger beschäftigt sich schon lange Zeit mit dem Thema Klartraum und bietet in unreglemäßigen Abständen verschiedene Seminare zum Thema Traum und Klartraum an. Wer Interesse hat schaut doch mal auf die Internetseite:

6. Versuchsteilnehmer/-innen für Schlaflaborstudien gesucht!

Für verschiedene Studien an der Universität Heidelberg suchen wir Klarträumerinnen und Klarträumer, die Interesse haben, an einer Untersuchung im Schlaflabor teilzunehmen. Die Studien werden in einem Schlaflabor in Mannheim bzw. Heidelberg durchgeführt, deshalb sollten interessierte Personen möglichst im Rhein-Neckar Gebiet wohnen. Außerdem sollten Sie eine gute Traumerinnerung haben und fähig sein, möglichst gezielt Klarträume zu erleben. Falls Sie Interesse haben, dann schreiben Sie bitte eine E-Mail an: info@klartraum.de.

7. Impressum

Sie erhalten diesen Newsletter, weil Sie den Newsletter auf klartraum.de abonniert oder an einem „Online-Experiment: Klartraum“ teilgenommen haben. Falls Sie den klartraum.de-Newsletter abbestellen möchten, dann folgen Sie den Anweisungen im zugesendeten Newsletter.

Herausgeber: Daniel Erlacher
Postanschrift: Im Neuenheimer Feld 700, 69120 Heidelberg
E-Mail: info@klartraum.de
Home: http://localhost

Copyright © 2008 Daniel Erlacher, All rights reserved.

DSC01187klein

One Comment »

  • expansioN sagt:

    Ich glaube, dass die Nennung der Zahl aus unseren Gedanken resultiert. Rein technisch gesehen würden wir ja nur unsere eigenen Gedanken lesen. Bei mir war es nämlich einmal genau umgekehrt der Fall. Ich sollte eine Zahl raten (im Traum natürlich, Aufgabe Nr.1 die mir die Traumperson gestellt hat, habe ich nicht geschafft). Ich wollte es einfach richtig haben und hab gedacht: „es stimmt, es stimmt“ und dann als Zahl 17,95 (ein Preis) angegeben. Sie hat gesagt, dass es OK wäre.